Durch Umwege bares Geld sparen?

“Selbstverständlich tanke ich an der Tankstelle mit dem billigsten Preis” denken sich viele Deutsche wenn die Tanknadel mal wieder bedrohlich nahe gen roten Bereich ausschlägt – doch ist diese auch unterm Strich die preiswerteste? Oft wird der Hin- und Rückweg zur Zapfsäule nicht oder nur unzureichend miteinkalkuliert, was im Nachhinein zu einem saftigen Minus sowie unnötigem Zeitaufwand führen kann.

Gerne werden Wochenendausflüge ins grenznahe Ausland mit einer billigen Tankfüllung verbunden. Sollte hierbei allerdings nicht die sich bietende Gelegenheit zum Familienausflug primäre Entscheidungskraft haben, wäre es ratsam vorab die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens im Hinblick auf die Kostenersparnis an der Tankstelle zu überprüfen.

Selbst innerhalb einer Stadt oder Region rein nach dem günstigsten Preis zu entscheiden, kann sich oft als fataler Fehler herausstellen. Schon ein Umweg von einigen Kilometern kann, je nach Tankmenge, in der Endabrechnung zu einer nahezu unerheblichen Ersparnis oder im schlimmsten Fall sogar zu einer Erhöhung des Gesamtpreises führen.

Faktoren die es zu berücksichtigen gilt beginnen bei nahe liegenden Dingen wie Tankmenge, Länge des Umwegs und Differenz der jeweiligen Literpreise – allerdings spiegeln diese Variablen nur ein unvollständiges Bild wieder. Es ist zu empfehlen auch die Abnutzung des Fahrzeugs und die Instandhaltung, jeweils umgelegt auf die zusätzlich gefahrene Strecke, miteinzubeziehen. Sollten Sie zudem einer dieser Menschen sein die mit ihrer Zeit Besseres anzufangen wissen als zusätzliche Kilometer herunterzuspulen, sollten Sie auch diesen zusätzlichen Aufwand berücksichtigen  - wenn Sie jedoch ohnehin nur die sinnbefreite Nachmittagsunterhaltung auf einschlägigen Privatsendern am Tagesplan hatten, können Sie diesen Aspekt getrost unter den Tisch fallen lassen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich ein Vergleich von Treibstoffanbietern empfiehlt, jedoch auch etwaige Zusatzkosten nicht außer Acht gelassen werden dürfen, da Sie sonst trotz preiswerterer Literpreise Gefahr laufen, unterm Strich draufzuzahlen.

Spritpreis-Jumping statt Dumping

Bis vor wenigen Jahren war es eigentlich jede Woche gleich, am Montag früh war es nicht ganz so preiswert, dann ging es deutlich runter in Richtung Abend. Im Laufe der Woche war der Preis mittel, zum Wochenende wurde es teurer und beruhigte sich zum Sonntagabend dann wieder.

Doch mittlerweile ist alles anders. Innerhalb eines Tages springen Literpreise um bis zu 15 Cent. Hierbei halten Sie sich nicht einmal an bestimmte Wochentage, nein, gefühlt tun sie, was sie möchten. Oft (mit betonung auf oft, nicht immer!) wird der Nachmittag preiswerter, damit es dann am Abend wieder teurer werden kann. Aber was bedeutet das für den Kunden?

Klar, in erster Linie heißt das: Augen aufhalten. Und vor allem nicht erst tanken, wenn der Tank fast leer ist. Dann ist man unflexibel und muss den Preis nehmen, der kommt. Sobald der Tank etwa zur Hälfte leer ist, ist es ratsam bei einem guten Preis nachzutanken. Dabei helfen Apps und Internetseiten, welche Benzinpreise erfassen. Hier meldet entweder die Tankstelle selbst (freiwillig) oder die Kunden die aktuellen Preise. So weiß man, ob sich ein geringfügiger Umweg in diesem Moment lohnt.

Auch hier heißt es aufpassen, große Umwege lohnen sich fast nie. Bei einem fiktiven Preisunterschied von 4 Cent und einem Tankinhalt von 50 Litern spart man 2€. Für zwei Euro kann der Durchschnittsbenziner bei einem Verbrauch von 7l zu 1,60€ gerade einmal 18km weit. Jeder Umweg wird also direkt von der Ersparnis abgezogen.

Spritsparend fahren

Neben dem Versuch immer den günstigsten Benzinpreis zu erhaschen ist ein weiterer Sparansatz sicherlich der, möglichst wenig Sprit zu verbrauchen. Kritiker schreien an dieser Stelle auf und immer wieder ist die Rede von Schleichern auf der linken Spur, ausrollen lassen, wenn die Ampel am Horizont erscheint und in den dritten Gang schalten, noch bevor man die Kreuzung ganz überquert hat.

Doch in Wahrheit beginnt Benzinsparen bei Kleinigkeiten. Neben aktuellen Modellen, die deutlich sparsamer sind spielt natürlich auch die Fahrweise eine Rolle. Was viele Leute nicht wissen ist, dass das rollenlassen mit eingelegtem Gang deutlich weniger Benzin verbraucht als wenn man auskuppelt. Genau genommen kann man, solange der Gang drin ist und der Motor durch die Drehung der Räder angetrieben wird, sogar fast gänzlich ohne Benzin zu verbrauchen fahren. Also vor der Ampel rechtzeitig rollen und durch runterschalten abbremsen ergibt durchaus Sinn. Und ehrlicherweise sollten Raser auch zugeben, dass man auf dem Weg zur roten Ampel keine Zeit verliert.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist das Hochschalten. Gerade Männer tun sich schwer damit, einen höheren Gang zu wählen. Häufig wird mit der über die Drehzahlen zustande kommenden Motorleistung argumentiert. Doch seien wir ehrlich, wie oft muss man auf einer Landstraße, auf der nun mal nur 100 erlaubt sind, plötzlich und ruckartig beschleunigen? Auch in geschlossenen Ortschaften fährt man für gewöhnlich eine relativ konstante Geschwindigkeit. Das heißt, sollte das Beschleunigen notwendig werden kann man in aller Ruhe herunterschalten um die volle Leistung auszunutzen. Solange das jedoch nicht der Fall ist, wäre der fünfte Gang durchaus angebracht.

Doch an einem Punkt muss man den Kritiker des Spritsparens recht geben, wer den Verkehr aufhält um ein paar km/h langsamer zu fahren, damit die Tanknadel länger hält sollte über ein Fahrrad nachdenken!

Den aktuellen Benzinpreis in Erfahrung bringen

Die meisten Autofahrer handhaben das ähnlich: Man hat einen typischen Tag zum Tanken. Häufig hört man Weisheiten wie „Montagabend lohnt sich immer, da ist es am preiswertesten.“ Die andere Option sind die, die entweder so häufig tanken müssen, dass sie sowieso keine ganze Woche warten können, oder die die täglich an einer Tankstelle vorbei fahren und da eben einfach anhalten, wenn der Tank leer ist.

Doch möchte ich von zu Hause losfahren, lohnt das nur, wenn ich den Benzinpreis bereits kenne. Da gibt es drei Möglichkeiten: Die erste ist ein Bekannter, der gerade Tanken war. Sicherlich die Zuverlässigste Option, allerdings auch die unwahrscheinlichste. Dann gibt es noch das Internet. Normalerweise bietet das ja auf alles eine Antwort. In diesem Fall ist aber auch das schwierig, da entsprechende Portale auf die Meldung der Passanten angewiesen sind. Und die Aktualität dieser Informationen lässt oft zu wünschen übrig. Ein Benzinpreis vom Morgen nutzt niemandem.

Die dritte und zuverlässigste Möglichkeit ist das Telefon. Nur die wenigsten kommen auf die Idee: Doch in der Regel kann man tatsächlich einfach bei der Tankstelle anrufen und sich die aktuellen Preise durchgeben lassen!

LPG – kostengünstig oder Spaßbremse

Seit ein paar Jahren gibt es einen neuen Treibstoff auf dem Markt. LPG oder auch Autogas genannt. Hierbei handelt es sich um ein flüssiges Gas das als Abfallprodukt der Erdölförderung gewonnen wird.

Autogas im Kofferraum ©flickr.com/ The Car Spy

Autogastank im Kofferraum

Doch rund um das Autogas gibt es allerhand Gerüchte und Mythen. Klären wir zuerst ein paar Grundlegende Ding. Allem voran: Was muss umgebaut werden, wenn ich mein Auto auf Autogas fahren möchte?

Da es sich bei Flüssiggas um welches handelt, dass unter Druck getankt und gelagert wird benötigt man selbstverständlich einen zusätzlichen Drucktank. Falsch ist, dass hierfür am Benzintank gespart wird. Dieser bleibt vorhanden, wie er war. Daher wird ein LPG Auto auch gleichermaßen auf Benzin und Autogas gefahren. Zum einen, weil Autogas erst ab einer bestimmten Temperatur einsetzbar ist. Das heißt wenn ich meinen Motor im kalten Zustand starte, startet er ganz normal auf Benzin. Dann fahre ich eine Weile und bei einer eingestellten Mindesttemperatur, steigt er auf Gas um. Bei den meisten Herstellern ist die voreingestellte Mindesttemperatur 17°C, sollte aber hochgesetzt werden. Üblich sind etwa 45°C. Zwar ist es für den Fahrer preiswerter, je früher auf Autogas umgestiegen wird jedoch ist bei einer ungenügenden Temperatur kommt es zum Ruckeln und auf lange Sicht unter Umständen zu Schäden am Motor. Aber lieber gleich korrekt justieren lassen!

Außerdem kann ich als Fahrer jederzeit von Hand auf Benzin umschalten wenn ich dies wünsche. Kommen wir zu einem weiteren Mythos: Wenn ich auf Autogas fahre verliere ich Leistung!

Auch hier kann ich nur sagen, das ist weitestgehend Blödsinn. Schaue ich mir die Herstellerangaben von Autos an, die von Werk aus auf LPG fahren, dann bestätigt sich zwar dieses Bild zu einem kleinen Teil (Werksangaben Skoda Octavia 1.6 von 0-100 km/h-s auf Benzin 12,8 Sekunden auf LPG 13 Sekunden), doch nicht nur, dass diese Unterschiede minimal sind, vor allem spürbar sind sie nicht. Schaltet man während der Fahrt zwischen den Treibstoffarten hin und her, ändert sich das Fahrgefühl nicht.

Doch jetzt der wahre Mythos: Ein Autogas Auto verbraucht mehr. Hier muss ich sagen, ja das stimmt. Ein Auto verbraucht ungefähr 10% mehr Autogas als es Benzin bräuchte. Bei einem Durchschnittsverbrauch von sonst 7,2l wären das dann also etwa 8l. Aber mal ehrlich, bei einem Literpreis von derzeit (Stand: 29.06.2012) 76 Cent pro Liter ist das vielleicht zu verkraften.

Benzinpreise International

Getankt wird selbstverständlich nicht nur in Deutschland. Weltweit fahren Menschen mit ihren Autos von A nach B. Dass es den Deutschen finanziell am meisten trifft, wenn es um Benzinpreise geht ist oftmals subjektives Empfinden.

Benzinpreise.de - Tankstelle

Deutschland liegt zwar an der Spitze der Benzinpreise, dennoch folgen die anderen dicht. Da wir alle das gleiche Öl verwenden, liegt die Vermutung, dass das an der steuerlichen Belastung liegt nahe. Für wen es von der Entfernung her lohnt, der fährt ins benachbarte Ausland zum Tanken. Nach Polen, Tschechien oder Österreich. Doch wie sehen die Benzinpreise in den anderen Nachbarstaaten aus. Tanktourismus ist längst kein Fremdwort mehr und auch anfängliche Bedenken über die Qualität des Kraftstoffes im Ausland sind weitesgehend ausgeräumt. Kaum jemand weiß, was das Benzin zum Beispiel in Frankreich kostet. Hier ein kleiner Überblick über Europa:


   
Land Liter Super in € Liter Diesel in €
Dänemark 1,85 1,63
Polen 1,42 1,38
Tschech. Rep. 1,53 1,50
Österreich 1,49 1,41
Schweiz 1,59 1,58
Frankreich 1,63 1,54
Belgien 1,71 1,50
Luxemburg 1,38 1,24
Niederlande 1,82 1,48
 Deutschland 1,60 1,44

*Stand vom 21.05.2012 nach http://www.adac.de

Deutlich zu sehen ist, dass es in den meisten europäischen Ländern sehr ähnliche Benzinpreise gibt. Ausreißer nach unten sind lediglich Polen und Luxemburg. In Deutschland zahlt der Endverbrauchter circa 66 Cent Mineralölsteuer pro Liter, in Österreich etwa 48 Cent. Die Benzinpreise sind also zum größten Teil von der Mineralölsteuer beeinflusst. Dazu kommt dann auf die Gesamtsumme noch die Abgabe der Mehrwertsteuer. Hierbei wird die bereits gezahlte Mineralölsteuer noch einmal versteuert. So entsteht der deutsche Benzinpreis!

Markttranzparenzstelle – Mehr Überblick im Benzinpreis Dschungel?

Schon lange zweifeln Politiker und Verbraucher an der Richtigkeit der Benzinpreise. Seit Monaten geht es nur noch steil bergauf und selten fällt mal der ein oder andere Preis. Das irritiert die Verbraucher natürlich, bei stetig schwankenden Rohölpreisen erwartet man eine ähnliche Schwankung im Benzinpreis.

Benzinpreise zu hoch? ©flickr.com/David A. Villa

Benzinpreise zu hoch? LPG als Alternative!

Auch die Politik ist aufmerksam geworden und so schloss das Bundeskartellamt 2011 bereits eine 3 Jährige Forschung ab in der herausgefunden werden sollte, ob es zu Preisabsprachen zwischen den großen Konzernen gekommen war. Doch nachweisen konnte man ihnen nichts. Um die Transparenz zu erhöhen bringt Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) einen neuen Stein ins Rollen. Gestern Abend beschloss das Bundeskabinett jetzt die Einrichtung einer neuen Behörde. Die Markttransparenzstelle soll von jeder der etwa 14.700 Tankstellen in Deutschland wöchentlich über die Preisentwicklung sowie Ein- und Verkauf informiert werden. Diese Daten sollen nicht veröffentlicht werden sondern lediglich dem Kartellamt die Kontrolle erleichtern.

Doch der Gesetzentwurf stößt auf Gegenwehr. Nach Angaben aus der Mineralöl-Branche werden in der neuen Meldestelle mehrere hundert Leute arbeiten müssen, um den Bürokratischen Aufwand zu stemmen. Die dadurch verursachten Mehrkosten werden am Ende wieder auf den Steuerzahler abgewälzt, so der Mineralwirtschaftsverband. Jeder Tankstellenbetreiber habe Mehrkosten und Mehraufwand durch die Meldepflicht. Besonders die kleinen Tankstellen, die durch den neuen Gesetzentwurf eigentlich gestärkt werden sollten, haben unter diesen neuen Anforderungen zu leiden. Doch Philipp Rösler weist diese Vorwürfe von sich. Kleine Tankstellen könnten sich zum Beispiel von der wöchentlichen Meldepflicht befreien lassen und die großen Ketten melden ihre Preisschwankungen sowieso an den Konzern. Da wäre nur eine geringe Neustrukturierung nötig um sie auch sofort Online an die neue Markttransparenzstelle zu senden.

Doch dem Verbraucher muss klar sein, dass das Kartellamt nicht dafür zuständig ist die Preise zu senken. Denn unklar ist nach wie vor, ob es überhaupt zu Preisabsprachen gekommen ist. Zwar wird gegen einzelne Unternehmen ermittelt, doch bisher handelt es sich um reine Spekulationen. Sollte es keine Preisabsprachen gegeben haben, wird sich auch am Benzinpreis an deutschen Tankstellen nichts ändern. Die Preise bestimmt nach wie vor der Markt, nicht die Politik!

Der Entwurf des neuen Gesetzes wird jetzt vom Bundesrat geprüft und im Anschluss wird sich der Deutsche Bundestag damit befassen. Das neue Gesetz soll noch dieses Jahr in Kraft treten.